Adventskalender
Adventskalender Geschichte

Die Geschichte des Adventskalenders vom Ursprung bis Heute

Adventskalender Geschichte vom Wagenrad bis zum Jahresabschlusskalender

Ihr AdventTotal Team

1.

Es war einmal…..

…. ein Mann namens Wichern, der ein evangelisches Knaben Rettungshaus, für verhaltensauffällige und straffällige Jungen in Hamburg leitete. Das Rauhe Haus, welches Johann Hinrich Wichern zusammen mit den Hamburger Bürgern gründete, nahm „sittlich verwahrloste“ Kinder auf und gab ihnen einen Zufluchtsort. Die Kinder der Stiftung wurden zur damaligen Zeit nach dem Familienprinzip in Wohngruppen aufgezogen, unterhalten und später für die Lehre im Handwerk vorbereitet.

Warum erzählen wir Euch das. Weil dieser Mann, der 1833 das Rauhe Haus gründete, als der Urvater des Adventskalenders gilt. Bis heute hält sich die Geschichte des Leiters und seiner Idee, die Wartezeit vor Weihnachten zu verkürzen. Gehen wir in der Zeit zurück, bis zum Jahre 1838. Es war das Jahr, in dem Samuel F. B. Morse und Alfred Vail einen modifizierten Schreibtelegrafen erfanden und in dem in Mainz der erste Rosenmontagsumzug stattfand. Auch außerhalb Deutschlands zeigten sich Ereignisse, die das Leben der Menschen zu dieser Zeit veränderten. In New York beispielsweise traf das erste Dampfschiff aus Europa ein und Victoria wird in einer Zeremonie zur Königin von Großbritannien und Irland gekrönt.

Die Kinder des Rauhe Hauses interessierte das nicht. Denn für Sie rückte Weihnachten und damit die Geburt Christis näher. Die Wartezeit war lang und stetig kam die Frage auf „Wann ist denn nun Weihnachten“. Eine Frage, die Kinder bis heute beschäftigt, vor allem wenn sie noch nicht die Uhr oder den Kalender lesen können. Doch gehen wir wieder in der Zeit zurück. Johann Hinrich Wichern hatte fast täglich eine solche Frage zu beantworten, also suchte er nach einer Lösung. Er fand eine, die wir heute in abgewandelter Form noch immer zelebrieren.

2.

Ursprünge

Aus alten Überlieferungen ist weiter bekannt, dass Wichern sich ein altes Wagenrad und einen Holzkranz nahm. Er verzierte beides mit Tannengrün und steckte 20 kleine Kerzen und vier große Kerzen auf sein Wagenrad. Zu jeder Andacht, die damals noch täglich stattfanden, versammelten sich die Bewohner des Hauses, sangen und zündeten eine Kerze an. Die kleinen Kerzen stellten die Tage zwischen den Adventssonntagen dar. Die großen Kerzen waren für den Advent bestimmt.

Die Firma F.W.Jul. Asmann aus Berlin hatte 1911 die Geschichte des Adventskranzes erkannt und diese gleich für die eigenen Zwecke genutzt. Es war die erste Firma, die aus Holz mit einem Messinglichterhalter den Adventskranz für die breite Masse anbot.

Die Weihnachtsuhr als Adventskalender

Um den Ursprung des Adventskalenders zu erfahren, müssen wir noch weiter in die Vergangenheit reisen. Gedruckt verbreitete sich der Kalender erst nach 1900. Davor war das Wagenrad oder auch der Tannenbaum die Alternativen. Doch was war vor diesen Jahren? Man geht davon aus, dass Kinder zuvor begannen, die Tage zu zählen, indem sie sich Kerben an die Türen ritzen oder mit Kreide an ein Holzbrett zeichneten. Man begann also schon vor 1838 mit der Zelebrierung der zählenden Tage. Lag in diesen Kreidestrichen oder auch in den Kerbungen der Holzbretter die eigentliche Geburtsstunde des Adventskalenders.

Um 1900 hatte sich in Hamburg noch eine weitere Form des Kalenders als Zeitmesser entwickelt. Um den Kindern die Warterei zu erleichtern, wurde die Uhr als Zeitmesser verwendet. Die Weihnachtsuhr erschien durch die Buchhandlung Friedrich Trümpler und hatte das Format 29 x 22 cm. Die erste Uhr hatte 12 Felder, die vom 12. Dezember bis zum 24. Dezember genutzt werden konnte. Später hatten die Uhren 24 Felder. Auf jedem Feld war ein Lied, ein Spruch oder eine Verheißung abgebildet. Mit jedem vergangenen Tag wurde der Zeiger der Uhr ein Feld weiter gedreht. In der späteren Entwicklung gab es die Weihnachtsuhr als Bastelbogen.

Gerhard Lang und Münchener Weihnachtskalender

Gerhard Lang beschreibt sich selber als der Erfinder des Adventskalenders. Er war der Sohn eines Pfarrers. Er bekam von seiner Mutter als Kind 24 Gebäcke auf einem Karton befestigt, um die Tage bi Weihnachten besser erfassen zu können. Nun gehen wir in das Jahr 1903 zurück, denn dort erschien der erste Kalender von Lang. Sein Kalenderdruck hatte 24 Felder mit entsprechenden Versen, um sich die Vorweihnachtszeit zu verkürzen. Nun gab es zu diesem Kalender Ausschneideformen, die über jedes vergangene Feld geklebt werden mussten. Am 24. Dezember wurde das Christkind aufgeklebt. Die Kalenderverse schrieb Lang selber. Für die künstlerische Ausmalung konnte er damals den Illustrator Richard Ernst Kepler beauftragen. Sein Kalender erschien im Verlag des Lithografen Friedrich Reichhold in München. Schon ein Jahr später interessierte sich die Zeitung „Neues Tagesblatt und General-Anzeiger für Stuttgart und Württemberg“ und druckte auf der Rückseite des Kalenders einen neuen Jahreskalender (1905).

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Zeichnungen auf dem Kalender entmilitarisiert und die „Kriegszeichnungen“ machten Platz für Teddybären und andere kindliche Zeichnungen. Insgesamt gab es acht Ausführungen des Kalenders. Zwischen 1908 und 1938 gab Gerhard Lang jedes Jahr einen neuen und aufwendig gestalteten Kalender heraus. Am Ende hatte er mehr als 30 unterschiedliche Kalender mit mehr als 40 Ausführungen zu bieten.

Die Vielseitigkeit der Kalender ist bis heute beeindruckend. Lang setzte auf Besonderheiten. So erschuf er Laternen Kalender mit Türchen zum Ausbrechen, Kulissen mit Schiebefiguren und Abreißblocke mit Sammelbildern. Auch andre Verlage bemerkten den Erfolg und gaben eigene Kalender heraus, deren Verkauf sich aber um den Ersten Weltkrieg nach unten tendierten. Nach dem Ende des Weltkrieges kam es zu einem erneuten Aufschwung. Leider hatte Lang versäumt, sich für seine Kalender ein Patent zu organisieren und so beschloss er 1933 sich für seine Schiebefiguren wenigstens das Patent zu sichern.

3.

Wie viele Türchen hat ein Adventskalender?

Genau genommen beginnen die Adventskalender erst am ersten Advent. Da sich jedoch die Tage zwischen dem ersten Advent und Weihnachten unterschiedlich in der Anzahl gestalten, hat man sich auf einen Beginn am 1. Dezember geeinigt. Die erste Adventsuhr hatte von 13. Tag bis zum 24. Dezember die Kästchen gesetzt. Erst der Kalender von Lang hatte die ersten 24. Türchen zu bieten. Dieser Brauch hat sich bis heute durchgesetzt. Ein moderner Kalender hat heute, dank seiner vielen Vorentwicklungen also 24 Türchen zu bieten.

4.

Adventskalender in der Zeit von 1920 bis 1930

Im Jahre 1920 gab es eine weitere Adventskalender-Entwicklung, die als Adventshäuschen bekannt wurde. Hinter jedem Türchen fand sich eine Verheißung. Für den ersten erschienenen Kalender in dieser Form (1926) wurden wiederum Bilder von Carl Gottlob Schönherr angewendet. Geformt wurden die Türen als Giebelfenster, die mit einem Transparent die Sprüche und Bilder verdeckten. Hier dominierte bereits eine deutliche Darstellung des Kalenders, so wie viele sie auch heute schon kennen. Besonders offensichtlich war das Türchen (Fenster) Nummer 24, was deutlich größer war als alle anderen.

Um die Verheißungen hinter den Fenstern lesen zu können, musste man mit einer Kerze oder einer Lampe den Kalender beleuchten. Ein besonderer Effekt war jedoch, dass damit auch ein optisch ansprechendes Dekorationselement entstand.

5.

Adventskalender in der Zeit des Nationalsozialsozialismus

Während des Zweiten Weltkriegs wurden die christlichen Bräuche versucht, aus der Öffentlichkeit zu verdrängen. Schon zu Beginn des Weltkrieges bemerkte man den Einfluss der Entwicklungen, und so wurden auch die Kalender von Lang mit diversen militärischen Bildern versehen. Abgedruckt wurden salutierende Soldaten oder andere typische Kriegsbilder. Auch spezielle Betitelungen „ Deutsche Weihnacht“ waren auf zahlreichen Kalendern zu lesen.

6.

Adventskalender aus West-Deutschland bis 1990

Schon bald nach dem Krieg kam die Sehnsucht nach den niedlich gestalteten Kalendern wieder auf. Man griff auch in Westdeutschland auf die alten Motive zurück, was auch ein Kostenfaktor war. Eine der ersten Genehmigungen für den Kalenderdruck erhielt der Sellmer Verlag. Der Verlag bekam eine Zustimmung, 50.000 Kalender drücken zu dürfen. Besonders an den Kalendern war, dass sie international gestaltet waren. Der Verlag hielt sich wacker und produzierte zwischen 1946 und 1998 mehr als 230 verschiedene Kalender. Auch heute ist der Kalender in Westdeutschland noch sehr bleibt. Der Inhalt der Kalender wandelte sich natürlich mit der Zeit.

7.

Adventskalender aus der DDR bis 1990

In der DDR war der Kalender weniger angesehen und wurde auch nicht ganz so stark beworben. Nur wenige Verlage erhielten damals die Erlaubnis, einen Kalender zu drucken. Vorgabe zur damaligen Zeit war, dass kaum christliche Motive auf den Kalendern zu sehen waren. Erstaunlicherweise sind nach der Nachkriegszeit in Dresden besonders viele Kalender erschienen und verkauft worden. Natürlich erschienen auch in der DDR unterschiedliche Kalender. So ist bekannt, dass Erika Henkel beispielsweise einen Abreißkalender entwarf. In den Jahren nach 1960 waren vor allem die Adventskalender aus dem Verlag Erhard Neubert beliebt. Erschienen sind in der DDR Kalender mit Sprüchen zum Ausmalen oder als Abreißvariante.

8.

Adventskalender in Europa

Nachdem sich die Kalender nach dem Ersten Weltkrieg, wie man der Geschichte oben entnehmen kann, sehr schnell verbreiteten, hatten auch die deutschsprachigen Nachbarländer Nachholbedarf. Die ersten Kalender, die sich in der Schweiz und auch in Österreich haben nachweisen lassen, kamen von Verwandten aus Deutschland. In Österreich waren noch lange Zeit die Bastelanleitungen für Kalender aus den 1930er Jahren bekannt. Und auch mehrere Formen der Adventuhr sind in Österreich und der Schweiz bekannt. In den 1960er Jahren entstanden dann die Adventhäuser in Österreich und anderen Ländern. Bekannt aus dieser Zeit ist das Adventschiff, welches hinter jedem Türchen eine Zeichnung in biblischer Annäherung besaß. Erst später wurden dann ansprechende Stadtkalender hergestellt. In Österreich und der Schweiz kann man bis heute zahlreiche Kalender mit entsprechendem Regionalbezug finden.

9.

Adventskalender als Werbung

Auch werbetragende Adventskalender gehen auf Gerhard Lang zurück. Er nutzte seine Kalender als Beilage zur Zeitung und gab damit dem Grundstein für die Werbung. Auch die Abreißkalender in den Zeiträumen 1920 bis 1930 gaben eine gute Grundlage für Werbung. Eingebettet auf der Rückseite der Abreißblätter sind die Werbemittel immer gut sichtbar.

Da die Kalender für Kinder gemacht sind, werden vor allem Werbemaßnahmen für Spielzeuge und Süßspeisen verwendet. Das Spielzeugwarenhaus Hermann Müller in Altenburg hatte zusätzlich die Idee auf den Kalendern einen Wunschzettel einzubetten. Und auch Lebkuchenhersteller erkannten die Werbemöglichkeit und schufen Adventskalender mit entsprechender Füllung. 1948 kamen dann auch die Werbekalender wieder, die als Adventskalender Spaß versprachen und auf der Rückseite eine Firma empfohlen. Der Hersteller RAMA nutze den Kalender 1978, um an die Adressen der Kunden zu gelangen. Dafür gab es eine Ausschreibung, bei der die ersten 1000 Kunden ein Knusperhaus gewannen.

Heute ist es ein Standard das Unternehmen wie Lindt oder Lego Kalender als Werbemöglichkeit nutzen. Dabei greifen sehr viele Unternehmen auf bekannte Filme oder Figuren zurück. So bekam auch der Polarexpress seinen Kalender. Und auch im Internet kann man die Werbekalender finden. Digital bieten diese Rabatte, Gewinnspiele und digitale Angebote.

10.

Gefüllte Adventskalender

Werbung kann man auch mit den gefüllten Kalendern machen, die meist besondere Werbeprodukte enthalten. Seit 1930 gibt es die gefüllten Kalender, die es anfangs nur mit Schokoladenstückchen bestückt waren. In weihnachtlichen Motiven gestaltet sind diese Kalenderfüllungen heute noch zu finden. Mittlerweile sind Kalender umfangreich mit Füllung zu bekommen. Dazu gehören Spielzeuge, Kosmetik, Schmuck und natürlich Süßspeisen. Schweden hatte eine besondere Idee, denn dort gab es einen Kalender mit Wundertüten gefüllt. Die Vielfalt ist enorm, und zwar nicht nur für Kinder. Für Jungen und Mädchen lassen sich spezifische Kalender finden. Für Erwachsene lassen sich Pralinen, Schmuck, Bier und andere Füllungen finden. Immer beliebter werden auch die Online Adventskalender für Erwachsene, die meist mit Gewinnen und Rabatten gefüllt sind.

11.

Jahresabschluss-Kalender / Jahreswende-Adventskalender

In der DDR wurden in den 60er Jahren die Adventskalender der Zeitschrift „Fröhlich sein und singen“ kurz „Frösi“ als „Jahresabschlusskalender“ bezeichnet. Der Kalender hatte von 6. Dezember bis zum 31. Dezember Türchen. Ziel war es wohl, das Religiöse aus der Adventszeit zu verdrängen.

Da diese „Jahresabschlusskalender“ auf einfachem Papier bedruckt waren, sind nur noch wenige Exemplare erhalten. Seit den 80er Jahren hießen die Kalender übrigens wieder „Weihnachtskalender“ und gingen wie gewohnt bis zum 24. Dezember.

In der heutigen Zeit, wo der Adventskalender immer mehr ein Kommerz- und Spaßprodukt wird und der Glaube in der Gesellschaft in Vergessenheit gerät, steigt auch wieder das Interesse nach Jahresabschlusskalendern. Die Gesellschaft befindet sich im Wandel und wird Multikultureller.

In Kindergärten und Schulen werden Weihnachtsfeste zu Jahresabschlussfesten und auf den Straßen werden die Weihnachtsmärkte zu Wintermärkten.

Daher ist es nicht überraschend, dass auch der Handel darauf reagiert und Adventskalender mit neutral gestalteten Designs anbietet und auch die Jahresabschluss Variante wieder angeboten wird. Diesmal mit 31 Türen. Vom 1. Dezember bis zum 31. Dezember.

12.

Adventskalender im Internet

Seit 1990 ist das Internet eine lebendige und wachsende Materie geworden. Damals noch nicht für alle nutzbar, änderte sich das jedoch mit den Jahren 1993 bis 1996, denn das war das Zeitalter des WWW. Mit ihr begann die Digitalisierung, immer mehr wurde in die virtuelle Welt gebracht. So auch der Adventskalender, der heute als Online Adventskalender bekannt und geliebt wird. Virtuell und digital lassen sich 24 oder 31 Türchen öffnen. Hinter ihnen befinden sich zahlreiche Inhalte, wie Bilder, Quizfragen, Geschichten, Videos und natürlich auch diverse Gewinnoptionen.

Quellen:

  • Tina Peschel, Adventskalender: Geschichte und Geschichten aus 100 Jahren, Verlag der Kunst, 2009
  • Esther Gajek, Adventskalender: von den Anfängen bis zur Gegenwart, Süddeutsche Zeitung, 1988
  • Nicole Rieskamp, Der Adventskalender: Ein typisch deutscher Brauch und seine Verbreitung in der Bukowina
  • “Advent, Advent, im Kreml brennt noch Licht !” https://www.orlandos.de/coanfr_xmas.htm

Bildnachweis:
Richard Ernst Kepler creator QS:P170,Q104768, Richard Ernst Kepler – Im Lande des Christkinds, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons

 

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